Adobe Flash und der kreative Raum des frühen Internets

Bevor Algorithmen bestimmten, was online sichtbar wird, sah das Internet anders aus. Mit Adobe Flash konnten Einzelpersonen Animationen, ohne großes Budget und ohne redaktionelle Filter, direkt im Browser veröffentlichen. Plattformen wie Newgrounds und später auch YouTube wurden so zu Orten, an denen Kunst landen konnte, die im Fernsehen und im Mainstream keinen Platz gehabt hätte.

Einer der bekanntesten Künstler, der aus diesem Raum hervorgegangen ist, ist David Firth. Seine Animationen folgen selten klaren Geschichten und arbeiten stattdessen mit surrealen Bildern und Dialogen, die einprägsam sind und deren Deutung meist den Zuschauern selbst überlassen bleibt.

facebook.com/DavidFirthArt/

2004 veröffentlichte Firth die erste Episode von Salad Fingers auf Newgrounds. Die Serie verbreitete sich schnell, vor allem, weil sie sich deutlich von dem unterschied, was man damals aus Animationen kannte. Zuschauerinnen und Zuschauer begannen, die Episoden zu analysieren, nach Zusammenhängen zu suchen und Bedeutungen hineinzuinterpretieren.

Mit dem späteren Aufstieg von YouTube fanden diese Videos ein noch größeres Publikum. Rückblickend wird David Firth oft als eine wichtige frühe Figur für jene Art von Internetinhalten gesehen, die später unter Begriffen wie „Weird YouTube“ und „Internet Horror“ zusammengefasst wurden und gezeigt haben, dass solche Arbeiten online funktionieren können.

Derzeit gibt es 14 Episoden von Salad Fingers, und insgesamt wurden David Firths Animationen über 264 Millionen Mal aufgerufen.

bbc.com/Getty Images/David Firth

Auch wenn Flash nicht mehr relevant ist, ist der kreative Spielraum, den es eröffnet hat, nicht verschwunden. David Firths Arbeit steht weniger für eine bestimmte Technik als für eine Phase des Internets, die durch Werkzeuge wie Adobe Flash erst möglich wurde. Es war eine Phase, in der Eigenart, Unklarheit und individuelle Ausdrucksformen Raum hatten und eine neue Generation von Künstlerinnen und Künstlern inspirierten.